Dieser Tag war einer meiner Lieblingstage in Albanien. Nicht wegen eines einzelnen Highlights, sondern wegen der Kombination: eine der faszinierendsten Naturerscheinungen des Landes am Morgen, und am Nachmittag eine UNESCO-Welterbestadt, die einen ganz anderen Blickwinkel auf Albanien eröffnet. Beides an einem Tag – und beides gut machbar von Sarandë aus.
Die Route auf einen Blick
Sarandë → Blue Eye → Gjirokastër → Sarandë
| Strecke | Entfernung | Fahrtzeit |
| Sarandë → Blue Eye | ca. 22 km | ca. 30–40 Min. |
| Blue Eye → Gjirokastër | ca. 30 km | ca. 45 Min. |
| Gjirokastër → Sarandë | ca. 55 km | ca. 1 Std. |
Mein Tipp zur Reihenfolge: Früh starten, das Blue Eye am Vormittag besuchen und den Nachmittag sowie frühen Abend in Gjirokastër verbringen. So vermeidest du die Mittagshitze in der Altstadt und erlebst Gjirokastër im schönen Nachmittags- und Abendlicht.
Stop 1: Syri i Kaltër – das Blaue Auge

Was ist das Blue Eye?
Das Blaue Auge/Blue Eye, auf Albanisch Syri i Kaltër, ist eine der faszinierendsten Naturerscheinungen Albaniens. Eine tiefblaue Karstquelle, aus der Wasser mit beeindruckender Kraft hervorschießt – über 18.400 Liter pro Sekunde, bei einer ganzjährigen Wassertemperatur von rund 10°C. Die genaue Tiefe ist bis heute unbekannt: Taucher sind bis auf 50 Meter vorgedrungen, wurden aber durch den Wasserdruck wieder an die Oberfläche gezwungen.

Von oben sieht die Quelle tatsächlich aus wie ein riesiges Auge – intensiv blau in der Mitte, umgeben von türkisfarbenen Ringen. Die Umgebung ist grün, schattig und wohltuend kühl – ein perfekter Kontrast zu den sonnigen Strandtagen an der Küste.
Praktische Informationen
- Eintrittspreise: Der Eintritt beträgt 50 LEK pro Person, der Parkplatz kostet zusätzlich 100–200 LEK. Das Gelände ist täglich von 7:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.
- Weg: Vom Parkplatz aus sind es etwa 2 km zu Fuß bis zur Quelle – ein entspannter Spaziergang von rund 20 Minuten durch einen schattigen Wald. Wer nicht laufen möchte, kann vor Ort einen kleinen Zug oder ein E-Scooter mieten.
- Wichtig: Bargeld mitbringen – Kartenzahlung wird nicht akzeptiert.
- Schwimmen ist offiziell verboten – die Quelle ist ein geschütztes Naturgebiet und wichtige Trinkwasserquelle für die lokale Bevölkerung.
- Mein Tipp: Im Sommer möglichst vor 10:00 Uhr ankommen – der Parkplatz füllt sich schnell, und die erste Stunde ist die ruhigste.
- Anfahrt: Von Sarandë aus die SH8 Richtung Nordosten nehmen, dann auf die SH99 wechseln. Die Abzweigung zum Blue Eye ist ausgeschildert. Die letzten 2 km bis zum Parkplatz führen über eine unbefestigte Schotterstraße durch den Wald – langsam fahren, da die Strecke schmal ist. Ein normales Mietauto reicht völlig aus.
Stop 2: Gjirokastër – die Steinstadt

Gjirokastër ist anders als die Küste. Ruhiger und historischer. Die UNESCO-Welterbestadt liegt im albanischen Inland, eingebettet zwischen Bergen, und beeindruckt mit einem osmanischen Altstadtkern, der sich wie aus der Zeit gefallen anfühlt. Graue Schieferdächer, gepflasterte Gassen, eine mächtige Burg auf dem Hügel – Gjirokastër braucht keine großen Attraktionen, weil die Stadt selbst die Attraktion ist.
1. Qafa e Pazarit – der Basar
Der Basar ist der lebendige Kern der Altstadt und der ideale Einstieg in Gjirokastër. Hier reihen sich kleine Läden, Cafés und Handwerksbetriebe aneinander, die Atmosphäre ist entspannt und authentisch. Ein Spaziergang durch den Basar gibt einem sofort das Gefühl, angekommen zu sein – weit weg von der Touristeninfrastruktur der Küste.

2. Kalaja e Gjirokastrës – die Burg
Die Burg von Gjirokastër thront hoch über der Stadt und ist das unbestrittene Wahrzeichen der Region. Der Eintritt beträgt 400 LEK pro Erwachsenen, Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt. Geöffnet ist die Burg in der Hochsaison täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr – Bezahlung der Tickets nur gegen Bargeld.
Was einen dort oben erwartet: weitläufige Festungsanlagen, historische Artillerie, alte Gefängniszellen aus der kommunistischen Ära und ein Panorama über die Drino-Ebene und die Schieferdächer der Altstadt. Für das Waffenmuseum innerhalb der Burg wird ein separates Ticket fällig – 200 LEK pro Person.
Mein Tipp: Festes Schuhwerk ist empfehlenswert – der Aufstieg ist steil und das Kopfsteinpflaster uneben.

3. Aussichtspunkt auf die Burg und die Altstadt
Bevor oder nachdem du die Burg besucht hast, lohnt sich ein kurzer Stopp am Aussichtspunkt unterhalb der Festung. Von hier aus hat man den vielleicht schönsten Blick auf die Burganlage und die grauen Schieferdächer der Altstadt.
4. Rund um das Skënduli House – die Altstadt erkunden
Das Skënduli House ist eines der schönsten erhaltenen osmanischen Bürgerhäuser in Gjirokastër und gibt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben der wohlhabenden Stadtbevölkerung im 18. und 19. Jahrhundert. Die Gassen rund um das Haus sind wunderschön zum Schlendern – hier entfaltet Gjirokastër seinen ganzen Charme.

Übernachten in Gjirokastër – Hotel Musée
Wer die Stadt auch am Abend erleben möchte und dafür einen Tag nicht ausreicht, dem empfehle ich das Hotel Musée. Das kleine Boutique-Hotel liegt wunderschön in der Altstadt und bietet einen traumhaften Ausblick über Gjirokastër. Wer hier übernachtet, erlebt die Stadt noch einmal ganz anders – ruhig, stimmungsvoll und weit weg vom Küstentrubel.
Abendessen: Bar Restorant Gjirokaster Rrapi
Wer den Tag in Gjirokastër ausklingen lassen möchte, ist beim Bar Restorant Gjirokaster Rrapi bestens aufgehoben. Netter Wirt, faire Preise, viele kleine Grüße aus der Küche und ein wunderschöner schattiger Garten mit Brunnen – ideal für einen entspannten Abend nach einem langen Ausflugstag. Parkplätze sind ebenfalls vorhanden.

Praktische Tipps für den Ausflugstag
- Bargeld: Sowohl am Blue Eye als auch an der Burg in Gjirokastër wird ausschließlich Bargeld akzeptiert. Unbedingt ausreichend albanische Lek dabei haben.
- Zeitplanung: Ein entspannter Tagesausflug ist gut in 8–10 Stunden machbar. Wer beide Orte wirklich genießen möchte, sollte spätestens um 9:30 Uhr in Sarandë losfahren.
- Mietwagen: Der Ausflug ist mit dem Mietwagen am flexibelsten. Ein normales Auto reicht für alle Strecken völlig aus.
- Was mitnehmen:
- Bargeld (LEK) – für Eintritte und Verpflegung
- Festes Schuhwerk – für die Burg und die Kopfsteinpflastergassen
- Ausreichend Trinkwasser – besonders für den Spaziergang zum Blue Eye
- Sonnenschutz – die Burganlage ist weitgehend schattenlos
Unser Fazit: Dieser Ausflug ist für mich eines der besten Beispiele dafür, wie vielseitig Albanien ist. In weniger als einem Tag erlebst du eine der rätselhaftesten Naturerscheinungen Europas und eine der schönsten osmanischen Altstädte des Balkans. Wer von der Küste aus nur einen Ausflugstag ins Inland unternimmt – dieser hier lohnt sich.


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