Albanien lässt sich an der Küste entdecken und im Inland verstehen. Wer durch die Kopfsteinpflastergassen von Berat geschlendert ist oder auf der Burg von Gjirokastër gestanden hat, begreift, wie vielseitig dieses Land ist. Die albanischen Altstädte sind wie lebendige Geschichtsbücher: Sie zeugen vom osmanischen Erbe, den venezianischen Einflüssen und der kommunistischen Vergangenheit des Landes. Hier sind meine fünf Empfehlungen für die fünf schönsten Altstädte Albaniens – von Nord nach Süd:
1. Shkodër – das kulturelle Tor zum Norden
Shkodër ist die älteste Stadt Albaniens und bis heute das kulturelle Zentrum des Nordens. Die Altstadt verbindet venezianisches Erbe mit osmanischen Einflüssen. Das unbestrittene Wahrzeichen ist die Rozafa Burg, die auf einem Felsen über der Stadt thront und einen spektakulären Panoramablick über den Shkodër-See, den Fluss Drin und die umliegenden Berge bietet. Darunter lädt die Altstadt mit Cafés, kleinen Gassen und einem lebendigen Markt zum Schlendern ein. Shkodër ist außerdem der ideale Ausgangspunkt für einen Ausflug zum Komani-See und in die Albanischen Alpen.
Gut zu wissen:
- Eintritt Rozafa Burg ca. 200 LEK
- Festes Schuhwerk für den Aufstieg empfehlenswert
- Von Tirana aus in ca. 2 Stunden erreichbar
Mehr dazu im Tagesausflug-Guide: Albaniens beste Tagesausflüge

2. Kruja – die Burg des Nationalhelden
Kruja ist kein gewöhnliches Städtchen. Es ist der Ort, an dem Albaniens Nationalheld Gjergj Kastrioti Skanderbeg im 15. Jahrhundert dreimal osmanische Belagerungen abwehrte – und damit zum Symbol albanischen Widerstands wurde. Diese Geschichte ist hier überall spürbar: in der mächtigen Burg, die über der Stadt thront, im Skanderbeg-Museum innerhalb der Festungsmauern und in den Gassen des Bazars, der zu den schönsten historischen Märkten des Landes gehört. Der Pazari i Krujës ist ein Erlebnis für sich: restaurierte Holzstände aus dem 19. Jahrhundert, Handwerker, Teppiche, Lederarbeiten und lokale Souvenirs in einer Atmosphäre, die sich trotz aller Touristenfreundlichkeit authentisch anfühlt. Die Nähe zum Flughafen Tirana – nur rund 18 km – macht Kruja zum idealen ersten oder letzten Stopp jeder Albanienreise.
Gut zu wissen:
- Für Basar + Burg mindestens 3–4 Stunden einplanen
- Parkplatz am Rand des Bazars, dann zu Fuß weiter
- Festes Schuhwerk empfehlenswert
Alle Details gibt’s im Kruja Reiseführer

3. Berat – die Stadt der tausend Fenster
Berat ist vielleicht die fotogenste Stadt Albaniens und die weißen osmanischen Häuser, die sich den Hügel hinaufstaffeln, mit ihren hunderten von Fenstern, die ins Tal blicken, haben der Stadt ihren Namen gegeben: „Stadt der tausend Fenster“. Seit 2008 steht Berat auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Altstadt gliedert sich in zwei Viertel: Mangalem auf der einen Seite des Flusses Osum, Gorica auf der anderen – verbunden durch alte Brücken. Hoch über allem thront die Kalaja e Beratit, die Burg von Berat. Abends füllt sich der Bulevardi Republika, die Promenade, mit Menschen – und wer jetzt noch einen Absacker in der Cocktailbar Good Vibes sucht oder das beste Eis bei der Pastiçeri Tori genießt, erlebt Berat von seiner allerbesten Seite.
Gut zu wissen:
- UNESCO-Welterbe seit 2008
- Für einen entspannten Besuch mindestens einen vollen Tag einplanen
- Übernachtung lohnt sich – die Stadt am Abend ist besonders stimmungsvoll
- Von Tirana in ca. 1,5 Stunden erreichbar
Alle Details dazu gibt’s auch im Berat Reiseführer

4. Gjirokastër – die Stadt der Steine
Gjirokastër ist anders als alle anderen Altstädte Albaniens. Grauer Schiefer, steile Kopfsteinpflastergassen und eine Burg, die alles überragt. Auch Gjirokastër ist UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als eines der am besten erhaltenen osmanischen Stadtensembles des gesamten Balkans. Das Herzstück ist die Burg Kalaja e Gjirokastrës mit seinem Panoramastadtblick. Innerhalb der Burgmauern warten historische Ausstellungen, alte Gefängniszellen aus der kommunistischen Ära und eine beeindruckende Sammlung historischer Artillerie. Darunter lädt der Qafa e Pazarit, der historische Basar, zum Schlendern ein – und wer die Gassen rund um das Skënduli House erkundet, findet das authentischste osmanische Stadtbild, das Albanien zu bieten hat. Gjirokastër ist auch die Geburtsstadt des kommunistischen Diktators Enver Hoxha – ein historisches Detail, das die Stadt noch vielschichtiger macht.
Gut zu wissen:
- UNESCO-Welterbe seit 2005
- Eintritt Burg ca. 400 LEK
- Festes Schuhwerk für das Kopfsteinpflaster unbedingt nötig
- Ideal zu kombinieren mit einem Ausflug zum Blauen Auge oder nach Përmet
Alle Details kannst du auch im Tagesausflug-Guide: Blaues Auge & Gjirokastër nachlesen

5. Korçë – das kleine Paris Albaniens
Korçë überrascht. Wer eine weitere osmanische Altstadt erwartet, findet stattdessen breite Boulevards wie den Bulevardi Shën Gjergji, gepflegte Parks wie den Rinia Park und Fassaden im Art-Déco-Stil. Kein Wunder, dass die Stadt im Südosten Albaniens auch als „das kleine Paris Albaniens“ bezeichnet wird. Die historische Altstadt rund um den Pazari i Vjetër bietet seit der Renovierung im Jahr 2015 eine noch authentischere Atmosphäre mit engen Gassen, alten Steinhäusern und kleinen Läden. In der Nähe befinden sich die Mirahor-Moschee, sowie der Uhrturm. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Auferstehungskathedrale, die größte orthodoxe Kathedrale Albaniens. Und wer Albanien kulinarisch erkunden möchte, kann an den täglichen Führungen der Korça Brauerei teilnehmen. Das frisch gezapfte Birra Korça im hoteleigenen Biergarten ist legendär.
Gut zu wissen:
- Von Tirana in ca. 3 Stunden erreichbar
- Für einen ausführlichen Besuch 1–2 Tage einplanen
- Besonders schön im Frühling und Herbst – ruhiger und angenehmer als im Hochsommer
- Ideal kombinierbar mit einem Abstecher zum Ohridsee

Praktische Tipps für alle Altstädte
- Mietwagen: Alle fünf Städte sind mit dem Mietwagen bequem erreichbar und lassen sich gut zu einer Rundreise durchs Inland kombinieren.
- Schuhwerk: Kopfsteinpflaster und steile Gassen sind in allen fünf Städten allgegenwärtig – festes, bequemes Schuhwerk ist kein optionales Extra, sondern Pflicht.
- Beste Reisezeit: Mai, Juni und September sind ideal – angenehme Temperaturen, weniger Andrang und ein Licht, das die Altstädte besonders schön zur Geltung bringt.
- Bargeld: Wie überall in Albanien: immer ausreichend albanische Lek dabei haben.
Unser Fazit: Albaniens Altstädte sind so unterschiedlich wie das Land selbst. Die UNESCO-Städte Berat und Gjirokastër beeindrucken mit ihrer osmanischen Geschichte, Kruja mit nationalem Stolz und einem der schönsten Basare des Landes, Shkodër mit seinem venezianischen Erbe und dem Charakter der nördlichen Region – und Korçë überrascht alle, die eine weitere osmanische Altstadt erwartet haben.


Schreibe einen Kommentar